EIN HERZ AUF DER SUCHE NACH LIEBE. DER NEUE FIREBIRD-STAR TOM PRIOR.

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Er ist der neue Superstar und kreative Tausendsassa am britischen Filmhimmel – Tom Prior (31). Ein wenig erinnert uns der sexy junge Mann an Xavier Dolan, jenen Frankokanadier, der in seinen Filmen vom Drehbuch über die Regie bis zur Hauptrolle gerne alles übernimmt und damit zahlreiche Preise einheimste und viele sehr gute Filme rund um das schwule Leben kreierte. Der britische, bisherige Theaterschauspieler Tom Prior könnte ihm nun nachfolgen – in seinem jüngsten Film FIREBIRD spielt der Brite mit dem charmanten Lächeln nicht nur die Hauptrolle, er schrieb auch gleich am Drehbuch mit und produzierte den Film ebenso.

Wie das gekommen ist? Das erzählt uns Tom gerne selbst – so viel sei vorab gesagt, alles begann, nachdem er in zwei Blockbuster-Filmen beeindruckend auf sich aufmerksam gemacht hatte und kurz darauf Regisseur und Co-Drehbuchautor Peeter Rebane traf: „Ich lernte Peeter 2014 kennen. Da hatte ich gerade ´Kingsman: The Secret Service´ und ´Die Entdeckung der Unendlichkeit´ abgedreht und arbeitete in Los Angeles. Peeter schickte mir den Entwurf des Drehbuchs, das er geschrieben hatte, und ich war sofort begeistert von dem Stoff. Wir vereinbarten, dass wir gemeinsam an einem Teaser für den Film arbeiten würden, und während dieses Prozesses machte ich einige Vorschläge, wie das Drehbuch verbessert werden könnte, insbesondere im Hinblick auf die Steigerung der dramatischen Spannung und der emotionalen Verbindung. Peeter und ich haben uns dann zusammengesetzt und in den nächsten zwei Jahren umstrukturiert, umgeschrieben und die Zeit, in der der Film spielt, intensiv recherchiert. Wir unternahmen mehrere Reisen nach Russland, trafen und lernten den echten Sergey kennen. Das war ein wirklich faszinierender Prozess, sowohl als Autor als auch als Schauspieler.“

Eine heiße schwule Liebe im kalten Russland

FIREBIRD dürfte schon jetzt eines der schwulen Filmhighlights des Jahres werden und wahrscheinlich einen ähnlichen Impact in der Gay-Community haben wie beispielsweise “Brokeback Mountain“. Der Film spielt während des Kalten Krieges in den 1970er Jahren und erzählt von einer dramatischen und lebensgefährlichen Liebesbeziehung zwischen zwei Männern auf einem Luftwaffenstützpunkt der ehemaligen UdSSR. Der junge Wehrpflichtige Sergey verfällt dabei hoffnungslos dem Charme des jungen Piloten Roman – aber natürlich bekommt der KGB bald Wind von der Beziehung der beiden jungen Männer. Tom spielt den jungen Soldaten, sein Gegenpart wird dargestellt vom ukrainischen Theaterschauspieler Oleg Zagorodnii. „Ich war von der sowjetischen Geschichte und der Zeit des Kalten Krieges schon immer fasziniert, daher waren mir einige Aspekte der Geschichte schon vertraut. Allerdings hatte ich noch nie solch eine Liebesgeschichte gesehen, die in der Sowjetunion spielt. Es war eine großartige Gelegenheit, eine neue und einzigartige Story zu erzählen“, so Tom weiter. Nebst der Geschichte selbst beeindruckte den Briten auch, dass das Drehbuch in weiten Teilen auf das echte Leben von Sergey Fetisov beruht: „Die Begegnung mit Sergey hatte großen Einfluss darauf, wie ich das Drehbuch weiterschrieb und auch darauf, wie ich seine Figur im Film darstelle. Sergey war ein erstaunlich positiver und mutiger Mann, der hart dafür gekämpft hatte, seinem Herzen und seiner Liebe um jeden Preis zu folgen. Als ich ihn kennenlernte, wollte ich alle Details verstehen: die Tiefe der Beziehung zu Roman, wie sie ihre Tage verbrachten und wie sich ihre Beziehung entwickelte. Sergey verstarb während der Vorproduktion des Films, und Peeter und ich nahmen an seiner Beerdigung in Russland teil. In jenem Moment, als ich der orthodoxen Beerdigung beiwohnte, nahm ich mir fest vor, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um ihn mit der Überzeugung und dem Mut zu spielen, die sein Vermächtnis verdient.“

Das ist ihm trefflich gelungen – und Regisseur Peeter Rebane schafft es dazu meisterlich, die richtigen Bilder zu finden, die der Liebesgeschichte den passenden Rahmen geben. Rebane, geboren in Estland, hatte zuvor in Harvard und Kalifornien studiert und bisher vor allem Dokumentationen, Kurzfilme und Musikvideos gedreht sowie mit zahlreichen berühmten Weltstars zusammengearbeitet – von den Pet Shop Boys über Robbie Williams, Madonna und Elton John bis hinzu Lady Gaga und Queen. FIREBIRD indes ist sein erster Spielfilm. Umso erstaunlicher, wie gut gelungen das Erstlingswerk ist, an dessen Erfolg sicherlich Tom einen großen Anteil hat. „Peeter und ich haben genau darauf geachtet, wann wir über das Drehbuch und wann wir über mein Schauspiel sprechen. Als der Dreh begann, blieben wir soweit es ging bei der finalen Version des Drehbuchs. Für mich als Schauspieler war es erstaunlich, wie gut ich das Material kannte. Ich hatte fast drei Jahre mit der Geschichte verbracht, aber dann musste ich die Geschichte als Schauspieler neu entdecken und meine Mitwirkung als Autor ausblenden.“

Die einzigartige Chemie zwischen zwei Männern

Besonders beeindruckend ist dabei auch die Chemie, das sexuelle Knistern zwischen den beiden Hauptdarstellern, was laut Tom zumindest teilweise einen ganz simplen Grund hatte: „Oleg und ich konnten uns aufgrund der Sprachbarriere nicht sehr gut verständigen, was bedeutete, dass ein großer Teil unserer Arbeit darin bestand, uns körperlich miteinander wohl zu fühlen. Ich glaube, das hat auch die Chemie zwischen uns gestärkt, denn die Figuren von Sergey und Roman hätten zu der Zeit auch nicht über ihre Erfahrungen sprechen können.“ Auch die physische Vorbereitung trug sicherlich ihren Teil dazu bei, dass das Spiel der beiden jungen Männer so authentisch wirkt – als Vorbereitung mussten beide ein Bootcamp im östlichen Estland absolvieren und dabei auch die gleiche Routine wie die anderen Soldaten durchlaufen. „Wir gruben Schützenlöcher, bauten Zelte auf und gingen zu Schießständen. Außerdem wurden wir von pensionierten Spezialisten aus der Sowjetzeit in korrekten militärischen Protokollen unterwiesen. Es war sehr intensiv“ so Tom weiter.

Intensiv. So lässt sich das Erleben auch als Zuschauer am besten zusammenfassen. Für Tom lebt der Film bis heute in ihm fort – er trägt dadurch auch inzwischen ein tieferes Verständnis für die Lebensrealität schwuler Männer in sich: „Nachdem ich die Gefahr, der Sergey und andere LGBTQ-Menschen seiner Zeit ausgesetzt waren, wirklich nachvollzogen habe, bin ich ständig erstaunt darüber, wie viele Menschen immer noch unter autoritären Regimen und religiösen Ordnungen leiden, die ihnen ihre Rechte verweigern und ihre Liebe entwerten. Wir wünschen uns, dass dieser Film und Sergeys mutige Geschichte dazu beitragen, die Einstellung der Menschen gegenüber der LGBTQ-Gemeinschaft und anderen ausgegrenzten Menschen in allen Ländern der Welt zu verändern.“ (ms)